Ich springe mit einer Drehung aus dem Käfig und schau mich um. Milo döst auf seinem Platz, dass Möhrengras liegt unangetastet vor ihm. Unsere Mutti Peggy sitzt an ihrem Laptop und stöhnt. „Ich finde einfach nicht die richtigen Worte“, sagt sie und steht auf. Missmutig verlässt sie das Wohnzimmer.
Ich hoppele in die Mitte des Parketts. Aus der Küche höre ich Töpfe klappern. Wir haben also etwas Zeit. Mit einem Sprung lande ich auf dem Stuhl und nehme Anlauf. Geschafft! Ich sitze vor dem Laptop, der auf dem Esstisch steht. Ich überfliege den Text, der dort geschrieben steht. „Milo!“
Milo sieht mit rollenden Augen zu mir auf. „Hm?“
„Sie hat wieder diesen Text über sich geschrieben.“
„Welchen Text?“
„Für ihre Webseite.“ Ich lese das Geschriebene. „Das klingt nicht nach ihr. Ich werde den Text ändern.“
Milo brummt. „Beeil dich lieber.“
Ich markiere den Text und drückte die Entfernentaste. Der Bildschirm ist leer und ich tippe die Buchstaben an. „Ich schreibe, dass sie an ihrem ersten Liebesroman arbeitet.“
Endlich bequemt sich Milo in meine Richtung. Er kaut auf dem Möhrengras. „Und dass sie seit ihrer Jugend Gedichte schreibt.“
„Und die Sache mit dem Schreibwettbewerb in der Bravo“, schlage ich vor.
Milo nickt zustimmend. „Vierter Platz. Los, tipp das!“
Ich tippe. „Jetzt steht da: Peggy schreibt Liebesromane, weil sie die Menschen damit zusammenbringen will. In ihrer Jugend hat sie schon Gedichte über Herzschmerz verfasst und im zarten Alter von sechzehn Jahren den vierten Platz bei einem Schreibwettbewerb der Zeitschrift ‚Bravo‘ belegt. Ihre Kurzgeschichten sind bisher in so-und-so-vielen Anthologien erschienen.“
„Wie viele?“, hakt Milo nach.
„Das weiß ich nicht genau! Weißt du es?“, gebe ich zurück. „Weiter jetzt. Wir müssen noch schreiben, wie gerne sie mit ihrem Mann die Welt bereist und dass sie versucht, in jedem Land eine Bibliothek zu besuchen.“
„Nein, du solltest lieber schreiben, warum sie schreibt. Das interessiert doch bestimmt ihre Leser.“
Etwas irritiert starre ich Milo an. „Warum schreibt sie denn?"
Milo seufzt, nimmt Anlauf und schafft es zu mir, auch wenn es kein eleganter Sprung war.
„Gehst du bitte zur Seite“, sagt er, schiebt mich zur Seite und tippt.
Ich schaue ihm über die Schulter und lese mit.
„In meinen Geschichten finden die Menschen zusammen und gehen ihren Weg. Sie unterstützen einander und öffnen ihre Herzen, auch wenn sie verletzt werden könnten. Sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam zu wachsen, ist wunderbar. Doch das haben viele von uns vergessen. Ich möchte sie und auch mich selbst mit meinen Geschichten daran erinnern.“
Plötzlich höre ich Schritte im Flur. „Schnell, schnell, schnell!“ Wir hüpfen gekonnt zurück auf den Boden, gerade rechtzeitig.
Mutti kommt ins Wohnzimmer. Sie blickt auf den Laptop und zieht die Augenbrauen zusammen. „ Sunny, Milo was ist hier los?“, fragt sie und fixiert uns.
Milo liegt auf seinem Platz. Er hat die Augen geschlossen. Ich putze meine Öhrchen und setzte eine Unschuldsmiene auf.
Bestimmt wird ihr der Text gefallen.

